Armin Hottmann

EINE VIERTE KULTURTECHNIK?

"Junge Menschen beziehen Ihr Wissen, aber auch Lebensstilangebote, ihre politischen und moralischen Orientierungen aus den Medien von außerhalb der Schule" (Gerhard Schröder, Bildungskonferenz der SPD, 25.01.00).

Klassenausflug mit einer 5. Klasse, 25 Schüler sitzen in der S-Bahn. Eigenartigerweise ist es sehr still. Beim genaueren Hinschauen bemerkt man, dass fast jeder der Schüler sich mit seinem elektronischen Mobilteil beschäftigt: Gameboy, Walkman oder Discman. Wie reagieren Sie darauf? Vielleicht gehören Sie zu denjenigen, die als Schüler nur Fernsehen und Radio zuhause hatten, und sich eine Rückkehr zu jener Zeit wünschen. Aber eine Abschaffung der modernen Medienwelt ist nicht möglich. Wir, und auch unsere Kinder, müssen lernen, mit ihr umzugehen. Die Angebote der Fernsehsender haben sich in den letzten Jahren vermehrfacht, viele Schüler haben ihren eigenen Fernseher im Zimmer, mobile Unterhaltungstechnik für unterwegs und der Computer mit seinem Internetanschluß bietet Zugang zu weltweiten Informationen. Der heutige Schüler weiß Bescheid über die Tierwelt in Afrika (dies allerdings nicht von Schulbüchern), kennt alle US-Basketballspiele, hat Zugang zu dem Wetter in ganz Europa und kann die neuesten technischen Erfindungen nennen. Für dieses überwältigende Informationsangebot, welches für ihn überwiegend gar nicht bestimmt ist, gibt es wenig Anleitung. Der Bildungskongress forderte die Einführung einer solchen 'vierten' Kulturtechnik in der Schule- dem Lesen, Schreiben und Rechnen folgend. Aber es bleibt ein Unterschied zwischen den Wünschen der Politiker und der Realisierung. Ein erster elementarer Schritt wäre die Bereitstellung von Finanzen und Weiterbildungsmöglichkeiten. Denn nur so können innerhalb des Schulunterrichtes Strukturen geschaffen werden, die Schülern die Möglichkeit geben, sich besser in der modernen 'Medien'-Welt zurechtfinden zu können.