Robert Ferguson
(übersetzt aus dem Englischen)

Einige Gedanken für die Diskussion zum Thema 'Medien im interkulturellen Kontext'

Abbildungen

Es ist schwierig die komplexen Zusammenhänge in Bezug auf die Darstellung der 'Rasse'* in den Medien zusammenzufassen. Der Grund dafür ist, dass es wenig (nicht wirklich) 'gute' Nachrichten im Gegensatz zu den 'schlechten' Nachrichten gibt. Außerdem muss man beachten, dass der Begriff 'Rasse' ('race') eine Vielfalt von Darstellungen einschließt, die man nicht nur auf die Hautfarbe beziehen kann. Es wäre hilfreich für uns alle, wenn wir die Themen Identität und Medien in unserer zukünftigen Arbeit behandeln würden. Damit möchte ich nicht sagen, dass der 'Rassismus' nicht ein wichtiges Thema für uns alle ist. Es ist nur so, dass die Konzepte der Identität (oder besser Identitäten) viel mehr Handlungsspielraum in der Interpretation und Diskussion von Themen und Darstellungen in den Medien bieten. Es erlaubt ebenfalls mehr Freiheit für Widersprüche, die in Bezug auf die individuellen oder gruppenspezifischen Identitäten auftauchen, wie zum Beispiel die Identitäten in Bezug auf den nationalen oder persönlichen Hintergrund, oder sogar in Bezug auf die Identität eines Fussballfans! Der letztere Punkt ist besonders wichtig, weil es viele Verwirrungen in der möglichen Analysestruktur mit Themen gibt, die sich auf Vorurteile in Bezug auf die 'Rasse' beziehen. Man müsste hier viel mehr ausholen, aber vielleicht ist dies ein möglicher Einstieg in die Diskussion.

Politische Wirklichkeiten

Es gibt durchaus positive rassenbezogene Darstellungen in den Medien, mit zum Beispiel schwarzen oder asiatischen Popstars, der populären südafrikanischen Musik, einigen schwarzen Schauspielern, etc.. Gleichzeitig gibt es aber auch die harte Realität der ethnischen Minderheiten in vielen europäischen Ländern, die missbraucht, physischer Gewalt ausgesetzt oder ermordert werden. Der Fall des Stephen Lawrence in England ist nur einer der vielen Fälle. In Schweden ist die Situtation so schwierig, dass Lehrer, die sich mit dem Holocaust im Unterricht beschäftigen von den extremen rechten Gruppen besonders wahrgenommen werden. Darüberhinaus gibt es einen vornehmen, aber oft überzeugenden Rassismus der sehr stark im 'kultivierten' Teil Europas existiert (diese Problemstellung versuche ich in meinem Buch zu beschreiben).

'Rasse' und die jungen Zuschauer

Für das Zielpublikum der 10-12 jährigen muss eine ganze Breite von Sachverhalten beachtet werden. Zuerst einmal die Identität der jeweiligen Person (Geschlecht, Alter, kultureller und religiöser Hintergrund). Zum Zweiten die Art wie eine Person oder eine Gruppe in den Medien dargestellt oder nicht dargestellt wird. Der dritte Bereich bezieht sich auf das, was wir 'positive Bilder' nennen. Dies ist, meiner Meinung nach, ein zweifelhaftes Konzept, aber es fokussiert die Frage der Darstellung von positiven Identitäten in Bezug auf die zugehörige 'Gruppe'. Wenn wir generell konfliktfreie Konzepte für die Medienpädagogik entwickeln möchten, dann müssen wir sorgfältig beobachten, wie die Konzepte der Identität gelehrt werden. Weitläufige Argumente müssen vermieden und kleinste Verallgemeinerungen bevorzugt werden. Die Definition eines 'echten' Deutschen (Polen, Schweden, Italiener, ..) ist pädagogisch nicht hilfreich für die Diskussion, sondern eher die Charaktermerkmale die wir alle teilen oder die uns alle 'einzigartig' machen. In anderen Worten - wir müssen die Frage der Unterschiedlichkeit erörtern aber nur und immer mit dem Hintergrund der gemeinsamen Menschlichkeit. Bezogen auf den Bereich der Nachrichten und des Fernsehens gibt es viele Ansatzpunkte. Es ist aber gleichzeitig eine riesige Herausforderung. Die Betrachtung der Identitäten, die in den Nachrichten und anderswo dargestellt werden erfordert die Problematisierung wie diese Identitäten entstanden sind, wie sie erhalten werden und wie sie manchmal angezweifelt werden.

Manche dieser Sachverhalte können im Klassenraum durch Fragen problematisiert werden. Diese Fragen können dann entwickelt und modifiziert werden um mögliche Ansatzpunkte für sowohl die medienpraktische (Produktion, Kreativität) als auch analytische Arbeit (auch Kreativität!) zu finden. Folgende Fragen könnten hier eingebracht werden: Was sagen die Medien wer ich (wir) bin? Werde ich überhaupt in den Medien dargestellt? Wer sind die 'Anderen' in meiner Gesellschaft? Wie werden sie dargestellt? Können wir die Art wie 'Andere' dargestellt werden verändern? Diese Fragen mögen vielleicht auf den ersten Blick abstrakt erscheinen, sie können aber, ohne zuviel Aufwand, in praktikable Strategien für den Klassenraum adaptiert werden. Ich hoffe, dass dies zumindest die Diskussion über Möglichkeiten, Potentiale, Probleme anregt ....

* In der Übersetzung wurde der englische Ausdruck 'race' direkt mit dem deutschen 'Rasse' gleichgesetzt obwohl die Bedeutung unterschiedlich gewichtet werden. Die Definition des Begriffes 'race' selbst ist in der angloamerikanischen Medienforschung problematisch und wurde deshalb von Robert Ferguson im gesamten Text in Anführungsstrichen gehalten.