Aufgabe 5 Auswertung

Aufgabe:      Produziere einen kurzen Beitrag zum Thema 'Konflikte'
Inhaltlicher Schwerpunkt:     Erforsche Konflikte in der unmittelbaren Umgebung und in den Medien

 


Einführung

"Ich fand 'Konflikte' spannend - man lernt nicht nur wie sie auftreten, sondern wie man sie lösen kann." (Isabel, Klasse 3)

Konflikte gibt es überall und sie passieren jederzeit. Nach dem Unglück am 11. September erwarteten wir nicht so schnell ein weiteres dramatisches Ereignis. Der Amoklauf in Erfurt schockierte ganz Deutschland, aber vor allem die Kinder und Lehrer der hiesigen Schulen. Warum gab es solch ein furchtbares Unglück? Warum kann eine Schule solch schreckliche Hass- und Rachegefühle hervorbringen? Die Berliner Kinder diskutierten lange die Erfurter Ereignisse und dachten über mögliche Lösungsansätze nach. Diese findet man wahrscheinlich nicht so einfach wie Isabel das mit ihrer obigen Aussage zusammenfasst. Trotzdem kann eine Diskussion über Konflikte ein konstruktiver Beginn sein und zu langfristigen Konfliktlösungen beitragen.

Die folgende Beschreibung und Auswertung möchte einen kurzen Einblick in die Projektarbeit der vier involvierten Teams vermitteln und mögliche Lösungswege für weitergehende Diskussionen aufzeigen.

Beschreibung der Aufgabe

Die Teams orientierten sich vor allem an der vorgeschlagenen Sequenz der Aufgabenbeschreibung (siehe Beschreibung hier), setzten aber ihre eigenen Akzente. Die Themen selbst bezogen sich vor allem auf folgende drei Bereiche:

· Konflikte in der Schule
· Der Amoklauf in Erfurt
· Konflikte in Zeitungen und Fernsehnachrichten (vor allem über Israel)

Die Beiträge beinhalteten kurze Spielsequenzen und Anmoderationen im Fernsehnachrichenstil. Die Kinder arbeiteten, wie zuvor in den anderen vier Aufgaben, in Dreier- oder Vierergruppen und stellten folgende Beiträge her:

· Team Haifa (Israel):
o Beitrag: Mehrere Straßeninterviews mit Fragen über den Krieg und möglichen Lösungen.

· Team Segovia (Spanien):
o Beitrag: 'Mäntel' - Eine Dokumentation über einen Konflikt, der sich um Kleiderhaken im Klassenraum drehte (diesen Konflikt gab es tatsächlich).
o Beitrag: Zwei Interviews über die Konflikte in Israel und Afghanistan mit Videomaterial aus Nachrichtensendungen.
o Beitrag: Eine Dokumentation über den 'Tag des Friedens' - am 30. Januar 2002.

· Team Cheadle Hulme (England):
o Beitrag: Eine Posterreihe mit einer großen Bandbreite an möglichen Konflikten, hergestellt von der gesamten Klasse (die Themen findet man hier)
o Beitrag: Playstation Konflikte (Kinder streiten sich um einen Computer)
o Beitrag: 22.00 Uhr Nachrichten (Hausverbot für Kinder)
o Beitrag: Abendnachrichten (Kämpfe auf dem Schulhof)
o Beitrag: Kind schreit Lehrer an (Ein Fußballkonflikt)
o Beitrag: Fernsehkonflikte (Bruder und Schwester streiten sich um den Fernsehapparat)

· Team Berlin (Deutschland):
o Beitrag: Kampf im Klassenraum (eine kurze Spielszene)
o Beitrag: Diktatbetrug (eine kurze Spielszene)
o Beitrag: Das arrogante Kind (eine kurze Spielszene)
o Beitrag: Konflikte in den Zeitungen (ein kurzer Bericht)
o Beitrag: Konflikte in Israel (mit Bezug auf Fernsehnachrichten)
o Beitrag: Der Amoklauf in Erfurt (Dokumentation eines Workshops über Konflikte)

Die Aufgabenstellung beinhaltete keine Internetelemente obwohl wir beim Aufbau eines Internetforums (mit dem Titel 'Us and Them') innerhalb des EUN Netzwerkes mitarbeiteten. Dort konnten wir unsere Projekterfahrungen und einige Projektergebnisse veröffentlichen. Die meisten Beiträge wurden von den Kindern selbst geschnitten, dies geschah vor allem in Berlin und Haifa. Das gesamte Material wurde im Offenen Kanal Berlin ausgestrahlt. Eine regionale Fernsehstation aus Segovia berichtete über die Projektarbeit der spanischen Schule.

Auswertung der Aufgabe

"Im Nachrichtenfluss erwartet man Konflikte, Streitgespräche, Auseinandersetzungen und definiert sie als passend." (Bantz in Tumber, 134, eigene Übersetzung)

Unsere Abschlussaufgabe kehrte zum Genre der Fernsehnachrichten zurück und traf auf den Kern der Nachrichtenindustrie: dem Verkauf der Konflikte. Nachrichten, die Konflikte zum Inhalt haben, umgeben den Zuschauer. Einige der Konflikte orientieren sich an der unmittelbaren Umgebung, andere sind eher weit entfernt.

Zu Anfang richten wir unseren Blick auf etwas, das die Kinder direkt betrifft: die Konflikte in der Schule. Ein erster Vergleich der Beiträge, die sich auf Schulthemen beziehen, zeigt viele Ähnlichkeiten. Schlägereien traten nicht nur als Thema während der ersten Aufgabe 'Schulnachrichten' auf, man fand sie in vielen Beiträgen dieser Schlussaufgabe: Streit auf dem Schulhof, im Klassenraum, um einen Computer oder eine Playstation, während eines Fußballspiels oder um einen Kleiderhaken. Während des Sammelns von Einfällen zum Thema Konflikte wurden Schlägereien sofort erwähnt - vor allem von den Jungs.

Die Diskussion über mögliche Konflikte schien recht einfach, die Erörterung jeweiliger Lösungsvorschläge für genau diese Konflikte gestaltete sich wesentlich schwieriger. Die Kinder zeigten einige schnelle Ideen in ihren Beiträgen: Ein vom Lehrer verordnetes 'Wir sind jetzt wieder Freunde', Schimpfworte oder eine sofortige Bestrafung. Das Team aus Spanien diskutierte länger und "sie fanden heraus, dass es auch andere Wege gibt, wie Konflikte gelöst werden können ohne Prügeleien oder Kämpfe" (Javier Coco González). Die gefundene Lösung für die Streitigkeiten zeigte sich in der Erstellung und Anbringung von Namensschildern für die jeweiligen Kleiderhaken.

Konflikte während der Hofpause benötigen weitere Beachtung - das 'jetzt sind wir wieder Freunde' reicht nicht aus um die hintergründigen Spannungen aufarbeiten zu können. Welche Art der Kommunikation sollten wir untereinander entwickeln? Wie sollten wir uns miteinander verhalten? Wie können wir uns mit Respekt während der Pause begegnen? Wie können wir den Pausenhof selbst verändern, damit es weniger Prügeleien gibt? (siehe Hurrelmann)

Das Team verfolgte eine weitere mögliche Herangehensweise und holte sich Hilfe in Form von zwei externen Psychologen. Gemeinsam wurden mehrtägige Seminare zum Thema 'Konflikte' durchgeführt. Ein besonderer Schwerpunkt konzentrierte sich auf die positive Kommunikation untereinander: sich dem Gegenüber bewusst zu werden, sich mit jemandem zu unterhalten mit dem man normalerweise nicht spricht oder sich für einen längeren Moment tief in die Augen zu schauen. Der Amoklauf in Erfurt geschah zufälligerweise während des Konfliktseminars. Die Experten versuchten hier die Gefühle, die die Kinder nach der Tat erlebten, aufzuarbeiten: Was hast du gefühlt, als du zum ersten Mal von dem Amoklauf hörtest? Was ging dir durch deinen Kopf? Warum meinst du, ist dieses Unglück passiert?

Während der Diskussion über die 'entfernten Medien' waren wir überrascht über den hohen Anteil an Informationen, die Kinder aus Fernsehnachrichten und Zeitungen wiedergaben - und das, obwohl Fernsehnachrichten sicherlich nicht zu den beliebtesten Kinderprogrammen zählen. Die Kinder erlebten den Amoklauf nicht unmittelbar, sämtliche Informationen wurden durch die Medien vermittelt. Aus dieser Tatsache könnte sich eine weitere interessante Diskussion entwickeln: Wie wurde der Amoklauf dargestellt? Was wurde gezeigt, was wurde nicht gezeigt? Das Team aus Spanien beschäftigte sich mit dem Konflikt im Nahen Osten und sie fragten sich gegenseitig: "Wie hast du etwas darüber gehört?
Durch die Medien. .. Hast du Informationen von anderen Quellen? Nein."

An diesem Punkt werden die Straßeninterviews des Teams aus Israel interessant. Das waren auf einmal Bilder aus Israel, die nicht von einer instutionalisierten, globalen Medienorganisation verbreitet wurden - sondern Bilder, die Kinder aufgenommen hatten und die nicht dem typischen Klischeebild der Straßenkämpfe und brennenden Häusern entsprach. Die Bilder der Kinder können uns helfen, unsere Perspektive zu erweitern, wenn auch das Problem der Mediatisierung bestehen bleibt: Was wissen wir überhaupt außer den medienvermittelten Informationen?

Die Überprüfung der Darstellung anderer Kulturen in den Medien ist ein wichtiger Bestandteil der interkulturellen Erziehung. Das Thema 'Konflikte' war in diesem Sinne ein fruchtbarer Abschluss unseres dreijährigen Fernsehnachrichtenprojektes und hat die Diskussion über die Fernsehprogramme und unserer Beziehung zu ebendiesen weitergeführt.


Literatur

Hurrelmann, Klaus; Rixius, Norbert; Schirp, Heinz u.a.: Gewalt in der Schule. Ursachen - Vorbeugung - Intervention. Weinheim: Beltz, 1996.
Tumber, Howard: News. A Reader. Oxford: University Press, 1999.