EinführungDie Gestaltung und Durchführung der vierten Aufgabe versuchte die Entwicklung der ersten drei Aufgaben fortzuführen. Anhand der inhaltlichen Konzentration auf das Thema 'Umwelt' ermutigten wir die Kinder ein konkretes Umweltinteresse zu recherchieren und in Form einer Kampagne darzustellen. Für die Präsentation der Ideen regten wir den Einsatz verschiedener Medientechnologien an. Außerdem sollten die Kinder ihre Videobeiträge selbst schneiden und durch eine virtuelle Internettafel miteinander in Kontakt treten (weitere Details über die Aufgabenstellung findet man hier). Die Endergebnisse der vier teilnehmenden Teams zeigten ähnliche inhaltliche Elemente aber unterschiedliche Herangehensweisen wie die Aufgaben bewältigt wurden. Die Teams produzierten entweder einen langen Beitrag gemeinsam (Israel und Spanien) oder eine Reihe kurzer Beiträge in Gruppenarbeit (England und Deutschland):
o Beitrag: Lokale umweltbezogene Sachverhalte in Haifa: Straßenverschmutzung, Luftverschmutzung durch Verkehr und Industrie, Wasserverschmutzung. Interviews mit der städtischen Umweltbehörde, Kommentare. Umweltbezogene Sachverhalte in der Schule: Verschmutzung in der Schule und Lösungsmöglichkeiten zur Abhilfe. Interviews mit Kindern und der Schulleiterin. o
Werbespot: "Man kann sie auch abschalten"
- Lärmverschmutzung durch Handys. o
Making of: Produktionsaufnahmen der teilnehmenden
Kinder.
o Beitrag: Untersuchung des Verschmutzungsproblems in Pradena. Bilder, die den Schmutz auf den Straßen dokumentieren, Vorbereitung des Projektes, Interview mit einer Gemeinderatvertreterin, Herstellung und Verteilung von Postern und Handzetteln, Straßeninterviews. o Werbespot: (Teil des Beitrages) "Haltet Pradena sauber", ein Werbespot der sich auf das Verschmutzungsproblem in Pradena bezieht.
o
Beitrag 1: Verschmutzung in der Schule (Bilder
von Schmutz, Schmutzbeseitigung, Poster aufhängen, Kommentar) o
Beitrag 2: Hundekot (Hundekot zeigen, Straßeninterviews
und Interview mit dem zuständigen Hundewart) o
Beitrag 3: Lärmverschmutzung (Pegelmessung der
Lautstärke an verschiedenen Plätzen) o
Beitrag 4: Straßenverschmutzung (Bilder von Schmutz,
Interviews, Schmutzbeseitigung) o
Beitrag 5: Straßenverschmutzung (Bilder von Schmutz,
Schmutzbeseitigung, Poster aufhängen) o
Beitrag 6: Verschmutzung im Park (Bilder von
Schmutz, Schmutzbeseitigung, Poster aufhängen) o
Beitrag 7: Hundekot (Straßeninterviews und Interview
mit dem zuständigen Hundewart, Poster aufhängen)
o
Beitrag 1: Wasserverschmutzung (PH Wertmessung
in den örtlichen Gewässern, Interviews) o
Beitrag 2: Verpackungen von Lebensmitteln (Interviews,
Fragebogenerhebung, Aufnahmen im Lager eines Supermarktes) o
Beitrag 3: Schmutz im Pausenhof und Klassenraum
(Interview mit dem Hausmeister, Recyclingmöglichkeiten für den Schulabfall,
Schmutz auf dem Schulhof) o
Beitrag 4: Flaschenrecycling (kurzes Anspiel
über Recycling) und Vorstellung des Schulgartens (der ziemlich heruntergekommen
ist) Die Durchführung der vierten Aufgabe variierte stark von einer produktionsorientierten Herangehensweise (wie zum Beispiel in Deutschland) zu der Dokumentation einer Kampagne (Spanien). Der spanische Videobeitrag ist in diesem Sinne besonders wertvoll, er dokumentiert nicht nur das Endergebnis sondern die Umsetzung der Ideen der Kinder und den Entscheidungsprozess. Die jungen Produzenten versuchten ein relevantes Thema für das Dorfpublikum Pradena (circa 400 Einwohner) aufzugreifen: die Straßenverschmutzung. Drei der sieben Gruppen aus England schlossen ebenfalls Elemente einer Kampagne mit ein. Die Kinder stellten Poster her, die sie in ihrem Umfeld verbreiteten. Die geplante 'Recherche' (Nachforschung eines Themas) war ein Element der vierten Aufgabe und wurde nur zum Teil von einzelnen Teams angewandt. Sowohl die spanischen als auch die israelischen Teams trafen sich mit einem zuständigen Vertreter der Stadtverwaltung um mehr über ein bestimmtes Umweltthema zu erfahren. Den Kindern machte es viel Spaß, sich außerhalb der Schule zu betätigen und sich mit den lokalen Behörden zu beschäftigen. Die Internetrecherche fand nur im kleinen Umfang statt. Einige Berliner Kinder betrachteten Umweltprojekte von anderen Schulen. Die virtuelle Tafel wurde ebenfalls kaum benutzt. Dort konnten die Kinder und Projektpartner Nachrichten für alle involvierten Teilnehmer hinterlassen. Die Kinder aus Israel waren hier besonders aktiv und versuchten in Kontakt mit den meisten anderen Kindern zu treten. Dies wurde aber kaum beachtet und mit wenig Rückmeldung quittiert. Die zum Teil begrenzten Onlinezugänge der meisten Schule waren sicherlich ein Teil des Problems. Alle Kinder beschäftigten sich mit dem Videoschnitt. In Berlin gab es besonders viele Möglichkeiten, alle Gruppen schnitten ihre Beiträge selbstständig. Außerdem fertigten sie das finale Videoband für die vierte Aufgabe an, hier wurden Ausschnitte aller beteiligten Gruppen zusammengefasst. Die Kinder aus Israel und England schnitten ihr Material mit Hilfestellung. In Spanien wurden die Beiträge wegen mangelnder Zeit von dem zuständigen Partner selbst geschnitten. Alle Kinder nahmen dort aber an einem Schnittworkshop teil, der am Anfang der vierten Aufgabe durchgeführt wurde. Die meisten Kinder integrierten ihre Lieblingsmusik in die jeweiligen Schnittversionen. Auswertung der AufgabeDie vierte Aufgabe brachte neue Themen und Fragen mit sich. Es war die erste Aufgabe, bei welcher die Kinder ihr Videomaterial selbst zusammenschnitten. Wir gingen davon aus, dass die Kinder keine grundlegenden Probleme mit dem Umgang der Schnitttechnik haben würden. Das bestätigte sich schnell - was uns aber überraschte war der selbstbewusste Umgang im Setzen der 'in' und 'out' Marken. Die Berliner Kinder, die wesentlich mehr Schnittgelegenheiten genossen, arbeiteten zum Schluss selbstständig mit der Schnitttechnik. Sie wählten das entsprechende Ausgangsmaterial aus, stellten ihre eigenen Videotitel her, integrierten die mitgebrachten Musiktitel und mischten sie mit dem Originalton. Das technische Wissen über den digitalen Videoschnitt bedeutet nicht unbedingt, dass die Medienkompetenz der Kinder gleichzeitig gefördert wird. Das Zusammenbringen aller Bild- und Tonebenen erhöht die Komplexität und kann den Blick hinter die eigenen Kreationen erschweren. Das Interesse für die Nachvertonung mit der eigenen Lieblingsmusik war besonders groß, oft wurde dabei aber die Konzentration auf den eigentlichen Inhalt des Beitrages vernachlässigt. An diesem Punkt gab es die meisten Diskussionen während der Schnittphase: Welche Musik wollen wir jetzt einfügen? Während des Auswertungstreffens entschlossen wir uns in Zukunft eher einfache Schnittübungen durchzuführen um bestimmte Lernerfolge zu erzielen. Die kurze Einführungsübung, die Videomaterial eines Stadtparks benutzte (siehe Onlinemodul), schien hier gute mögliche Lernpotentiale aufzuzeigen. Die Schnittgruppen benutzten dabei das gleiche, kurzgehaltene, Ausgangsmaterial und sollten unterschiedliche Botschaften (zum Beispiel einen schönen und einen hässlichen Park) erzeugen. Diese Übungen waren während der Analysephase wesentlich einfacher bewertbar. Die inhaltliche Tiefe der meisten Beiträge war eher dünn, die Botschaft wurde vor allem durch die Musik getragen. Vielleicht spiegelt diese Tatsache die hohe Dosis des kommerziellen Fernsehkonsums der Kinder wieder - glänzende Bilder ohne tiefergehende Diskussionen und Hintergrundinformationen. Die Produktion war für viele Kinder spannender als die eigentliche Botschaft. Das deutsche 'Wasserverschmutzungs'-Team überprüfte zum Beispiel die Gewässer mit PH Farbtestpapier. Die Ergebnisse waren dabei nur leicht unterschiedlich. Die Gruppe kam dabei zum schnellen Schluss, dass das Wasser mit dem höheren PH Wert auch mehr verschmutzt war. In der Schlussdiskussion wurde deutlich, dass die Produktionsgruppe die Bedeutung des PH Wertes nicht verstand und die Zuordnung der Werte mit der Verschmutzung des Wassers einfach nur vermutet wurde. Die Erweiterung der Aufgabe in eine Kampagne war ein hilfreicher Schritt. Die Einbeziehung des Publikums ist wichtig, wenn wir die Medien erforschen möchten. Das spanische Team produzierte seinen Beitrag für ein klar definiertes Zielpublikum aber war auch gleichzeitig Teil desselben Publikums. Dies erschwerte das Vorhaben beträchtlich. Die Kinder kannten die meisten Leute im Dorf und konnten sich nicht so kritisch äußern, wie sie das ursprünglich beabsichtigten. Alle beteiligten Gruppen zeigten ähnliche Interessen für die lokale Umwelt. Wir hoffen, dass diese Tatsache die Kinder der verschiedenen Kulturkreise eher zusammenbringt als sie trennt. Die Videoergebnisse zeigten neue Einblicke und warfen neue Fragen über umweltbezogene Aspekte auf. So war das deutsche Flaschenrecyclingsystem neu für die meisten Kinder aus Israel, Spanien und England. Dies war ein hilfreicher Diskussionseinstieg. Es wäre interessant gewesen, wenn die Kinder vor allem die Frage der möglichen Lösungsansätze der Umweltprobleme mehr diskutiert und den Nutzen der produzierten Videos stärker erwogen hätten. |
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