Auswertung Aufgabe 3

Aufgabe:       Sich gegenseitig vorstellen
Inhalticher Schwerpunkt:     Die unterschiedlichen medialen Vorstellungen der Kinder betrachten


Die dritte Aufgabe setzte die Suche nach Antworten auf die zwei wichtigen Projektthemen (siehe Einleitung) fort: Wie kann man Kinder unterstützen, dass sie mit den Medienbotschaften kompetenter umgehen können und welche konstruktiven Strukturen müssen entwickelt werden, um ein Zusammenfinden von Kindern aus verschiedenen Ländern zu unterstützen. Die dritte Aufgabe diente als Einführungsaufgabe für neue Partnerkinder, gleichzeitig wurden zwei neue Elemente eingeführt: Die Integration des Internets und die Vorstellung der Zeichensprache. Außerdem kamen erste Schnittübungen dazu - dies geschah allerdings sechs Monate später und am Anfang nur in Berlin (die Schnittübungen werden getrennt ausgewertet).

Die Internetworkshops wurden parallel zur Projektarbeit durchgeführt. Fast alle teilnehmenden Kinder (und unsere Freunde aus Israel und den USA) stellten eine eigene Internetseite mit ihrem eigenen Foto, einem kurzen Text (meistens auch in verschiedenen Sprachen) und zusätzlichen Grafiken her. Die Eltern von fünf Kindern waren gegen eine Veröffentlichung der Seiten, die Internetseiten dieser Kinder wurden nicht ins Internet gestellt. Die Kinder entwarfen und produzierten ihre Seiten selbst, von Seiten der Lehrer gab es nur technische Hinweise. Alle Internetseiten wurden innerhalb der Projektdomäne veröffentlicht. Die spanischen Kinder produzierten ihre Seiten auf ihrem eigenen Schulserver, so konnten sie ihre Inhalte bei Bedarf selbst aktualisieren. Diese Seiten wurden mit unserer Projektdomäne verknüpft.

Mit Ausnahme der Klasse aus England hatten alle Kinder Zugang zum Internet in der Schule. Sie konnten so die Seiten der eigenen Klasse und der Partnerkinder erforschen. Wir ermutigten die Kinder gegenseitig durch Emails in Kontakt zu treten, ähnliche Interessen auszuloten und sich zu befragen. Dies schlug fehl, vor allem deshalb weil die Schulen keine Emailadressen für die Kinder einrichten konnten. Ein paar Kinder kommunizierten trotzdem miteinander indem sie ihre privaten Emailadressen benutzten. Unsere Freunde aus Israel waren sehr an der Kommunikation interessiert und schrieben einen Fragenbogen, den sie an alle Partner versandten.

Die Videoeinführungen verfolgten das gleiche Format, welches wir am Anfang des ersten Jahres benutzten. Die Kinder nahmen sich selbst vor der Videokamera auf. Sie stellten sich in ihrer eigenen Sprache, einer anderen Projektsprache und in der Zeichensprache vor. Das komplette Videomaterial wurde wieder in Berlin gesammelt und an alle Partner zurückverteilt. Die Kinder aus Berlin stellten das Fernsehnachrichtenprojekt innerhalb einer Livesendung im Offenen Kanal vor und präsentierten kurze Ausschnitte von den Partnern. Felix und Christian schnitten eine zehnminütige Sendung und präsentierten eine Auswahl des Videomaterials (ungefähr zwei Stunden Originalvideomaterial). Sie versuchten die Auswahl gleichmäßig auf alle fünf teilnehmenden Schulen zu verteilen (die drei EU Partnerschulen und die Freunde aus Israel und den USA) und sie vervollständigten die Sendungen mit Titeln und Musik.

Der Gebrauch der Zeichensprache war für alle Kinder, mit Ausnahme der englischen Partnerklasse, neu. Die Thorn Grove Grundschule hat eine kleine Gruppe mit taubstummen Kindern, die zum Teil im allgemeinen Unterricht integriert sind. Alle Kinder der Schule sind mit der Zeichensprache vertraut - dies gehört für sie zum normalen Schulalltag. Die anderen Partnerkinder erlernten die wichtigsten Gebärden (das Alfabet und wichtige Ausdrücke) um miteinander kommunizieren zu können. Alle Kinder nahmen eine persönliche Vorstellung mit der Videokamera auf. 

Auch bei der dritten Aufgaben versuchten wir die Kinder zu motivieren sich kritisch mit ihren eigenen Produktionen zu beschäftigen. Die Frage der Darstellung stand auch hier wieder (wie bei der ersten Aufgabe) im Mittelpunkt der Diskussionen. Die Kinder aus Berlin beantworteten eine Reihe von Fragen bevor sie die ersten Aufnahmen begannen: "Was möchtest du sagen? Welche Sprache würdest du benutzen? Welchen Gesichtsausdruck würdest du wählen? Welchen Eindruck möchtest du mit deiner Vorstellung vermitteln?" Die Ergebnisse der Webseiten und die Videovorstellungen wurden diskutiert. Wir befragten die Kinder, wie die anderen Partnerkinder sie wahrnehmen würden und wie sie das "Gefilmtwerden" empfanden. War es peinlich?

Sowohl das Rohmaterial als auch die geschnittenen Sendungen wurden betrachtet. Die Analyse des Rohmaterials erschien besonders wertvoll, da die Geschwindigkeit der Sequenzen im Vergleich zu den geschnittenen Sendungen wesentlich langsamer war und keine zusätzlichen Ebenen (Ton, Titel, Bildüberlagerungen) die Analyse verkomplizierten. In Berlin versuchten wir diese Ebenen einzeln zu beobachten. Die Vorstellung von Hannah, einem taubstummen Kind aus Cheadle Hulme, wurde dreifach gezeigt:

  • 1. Vorstellung ohne Ton (nur mit Zeichensprache)
  • 2. Vorstellung mit englischem Unterton (ein anderes Kind kommentierte Hannahs Hände)
  • 3. Vorstellung mit englischem Unterton und Untertiteln in deutscher Sprache

Während jeder Runde schrieben die Kinder auf, was sie verstanden hatten. Diese Notizen wurden anschließend diskutiert und es wurde untersucht, inwieweit sich der allgemeine Eindruck veränderte. Jede Stufe enthüllte mehr Informationen, von einem allgemeinen Eindruck ("Dies ist ein taubstummes Kind, das sich mit uns unterhalten möchte") bis zu spezifischen Ideen ("Sie fährt gerne Fahrrad"). Wir unterhielten uns darüber wie es wäre, wenn wir gar nichts hören würden, was wir vermissen würden. Zum Schluss wurden die Kinder aufgefordert Hannah eine kurze Botschaft zu schreiben. Die Übungen mit der Zeichensprache wurden von fast allen Kindern mit viel Interesse verfolgt. Die Meisten erlernten die Buchstaben sehr schnell. Die taubstummen Kinder aus England schätzten diese Bemühungen sehr.

Die dritte Aufgabe entwickelte sich als lohnende Übung obwohl sie eigentlich nur als kurze Einführung geplant war. Die Aufgabe hätte kreativer gestaltet werden können. So hätten die Kinder zum Beispiel in die Rolle einer anderen Person (die sie gerne wären) schlüpfen können. Die persönlichen Elemente der Webseiten waren sehr positiv und halfen dem "Zusammenfinden" mehr als ein einfacher Videoaustausch. Die Kinder konnten die Vorstellungen der Partnerkinder selbst auswählen und die Verweildauer bestimmen, dies ist bei einem Videoband, das der ganzen Klasse vorgestellt wird nicht möglich.