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| Aufgabe: |
Produktion einer Schulnachrichtensendung |
| Inhaltlicher
Schwerpunkt: |
Konstruktion
der Schulwirklichkeit |
Bei dem ersten Projekttreffen
in Berlin im Herbst 1999 diskutierten wir lange, welchen Einstieg wir
für das Projekt wählen sollten. Wir einigten uns darauf, dass wir die
Schüler nicht mit einer ausführlichen Einführung in eine bestimmte Richtung
programmieren wollten, sondern dass durch eine kontinuierliche praktische
Arbeit (die kontinuierlich reflektiert wird) sich die Projektziele entwickeln
sollten. Als erste Aufgabe legten wir die Schulnachrichten fest. Dies
war für alle beteiligten Lehrer ein nachvollziehbares Thema. Jede Partnerklasse
bekam die Aufgabe eine zehnminütige Sendung mit Nachrichten aus der Schule
zu produzieren.
Die Projektlehrer
stellten den Rahmen der ersten Aufgabe vor und die Schüler konnten Ideen
für die Sendung sammeln. Die Schüler legten dann Produktionsgruppen (meistens
vier Schüler) fest und wählten eine Idee als Beitragsthema aus (siehe
Internet). Ein kurzer Arbeitsplan wurde erstellt und dann begannen die
ersten Gruppen die Arbeit mit der Videokamera: Interviews mit Mitschülern
und Lehrern, Vorstellung der Schule, Aufnahmen der Aktivitäten und Erörterung
der Schulprobleme.
Der Umgang mit der
Videotechnik wurde nicht explizit "unterrichtet", die Schüler erlernten
dies während der Aufnahmen selbst. So gab es am Anfang manche Enttäuschungen
über den fehlenden Ton, über Windgeräusche, die das Interview überdeckten
oder über versehentlich gelöschte Aufnahmen. Durch die Kontrollmöglichkeit
im Klassenzimmer konnten aber Fehler schnell gesichtet und verbessert
werden. Nach der Fertigstellung der Nachrichtentexte und der Gestaltung
der Studiohintergründe begann die Aufnahme der Nachrichtensendung. Die
einzelnen Gruppen präsentierten ihr vorbereitetes Material. In Berlin
fanden die Aufnahmen im Studio des Offenen Kanals statt, die Partner in
England und Spanien entwarfen ein einfaches Nachrichtenstudio in einem
Klassenraum.
Um die Partner im
ersten Projektjahr nicht mit dem Videoschnitt zu überfordern, wurden alle
Sendungen von dem Koordinator geschnitten. Die Auswahl und Reihenfolge
des Materials wurde von den Schülern vorab festgelegt und notiert. Untertitel
in allen drei Sprachen erleichterten die Kommunikation zwischen den Partnern.
Die Ausstrahlung der Ergebnisse erfolgte anschließend im Offenen Kanal
Berlin, über Satellit (Europe by Satellite) und im Livestream im Internet
(siehe Internet).
Auswertung der Aufgabe
Wenn wir Medienbotschaften
im "richtigen" Fernsehen analysieren wollen, ist es nur folgerichtig,
dies auch bei unseren eigenen Sendungen zu tun. Beim Betrachten der Sendungen
könnte man meinen, dass alle drei Klassen einfach nur ihre Schule mit
ihren Gegebenheiten darstellten. Dies ist sicherlich richtig, entscheidend
ist aber, wie die Schule dargestellt wurde. Welche Elemente wurden gezeigt,
welchen wurden nicht gezeigt? Jede Klasse konstruierte ein eigenes Bild
ihrer Schule, ihr Bild. An diesem Punkt ist es wichtig, dass man beginnt,
Fragen zu stellen: Wie wird unsere Schule dargestellt? Welches andere
Bild hätten wir zeigen können? Was meinen unsere Mitschüler dazu, finden
sie das genauso? Wie hätten sie das gemacht?
Wir versuchten in
den Partnerschulen durch Fragebögen, Klassendiskussionen, Videointerviews
und Aufsatzberichte solch einen fragenden Prozess in Gang zu setzen. Hier
ein paar Antworten der Berliner Schüler über ihre eigene Sendung:
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Stellten
wir unsere Schule realistisch dar? |
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"Ja,
es ist so wie immer" |
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"Es
geht so." |
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"Wir
haben nicht alles dargestellt, aber ich denke schon" |
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Was könnte bei anderen deutschen Schulen anders sein? |
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"Vielleicht
ein anderer Schulhof und andere Klassenräume." |
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"Dass
sie keine eigene Fernsehsendung haben." |
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"Jede
Schule hat Probleme, wir haben viele Schüler, na ja, das ist unterschiedlich." |
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"Ich
weiss nicht" |
Wie sich hier in den
Antworten der Schüler zeigt (und vielleicht auch zu erwarten war) gestaltete
sich die kritische Reflexion der eigenen Sendung noch schwierig. Der nächste
Blick, der sich auf die Sendungen der Partnerschüler richtete, war da
schon einfacher:
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Was ist dir (über die spanische Sendung) aufgefallen? |
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"Sie
hatten Untertexte." |
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"Sie
sprechen sehr schnell." |
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"Die
hatten nur wenig Themen." |
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"Sie
machen viele Aufführungen." |
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"Dass
sie sich sehr viele Mühe gegeben haben." |
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"Dass
die Schule kleiner ist." |
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Was ist dir (über die englische Sendung) aufgefallen? |
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"Dass
sie viel Zeichensprache gemacht haben." |
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"Sie
hatten Schulkleidung angehabt." |
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"Dass
sie sich sehr bemüht haben." |
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"Nix." |
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"Sie
haben uns sehr viele Projekte gezeigt." |
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Stellst du dir eine englische Schule so vor? |
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"Ich
war noch nicht in einer englischen Schule, daher weiß ich es nicht." |
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"Ja." |
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"Ich
war noch nicht in England." |
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"Ja,
natürlich." |
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"Nein." |
Die Schüler nahmen
insgesamt durchaus einzelne Botschaften wahr, taten sich aber schwer,
diese innerhalb einer zusammenhängenden Konstruktion zu erkennen. Eine
Mädchengruppe aus England versuchte jedoch eine Interpretation der deutschen
Sendung: Die Mädchen fanden es mutig, dass die Klasse über Auseinandersetzugen
während der Hofpausen berichtete und damit einen nicht nur positiven Gesamteindruck
der Schule vermittelten.
Insgesamt stellten
wir fest, dass die Aufgabenkonzeption der drei getrennten Sendungen eher
abgrenzend als zusammenbringend funktionierte. Bei Klassendiskussionen
in Berlin tauchten immer wieder Verallgemeinerungen über die Darstellung
der Partnersendungen auf, die im Gegensatz zu unseren Zielen (z. B. Abbau
von Vorurteilen) standen: "Das ist typisch Spanisch." Oder "So habe ich
mir England vorgestellt." Der eigene Film wird schnell in den Vordergrund
gestellt. Außerdem beobachteten wir sehr eingebildete Einstellungen, wie
die Aussage eines Berliner Schülers zeigt: "Wir sind ja so oder so die
Besten."
Aus Spanien gab es
ähnliche Bemerkungen von einigen Jungs, die das ganze Projekt als Konkurrenzkampf
auffassten, so wie das im europäischen Fussball der Fall ist.
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