Vielleicht
haben Sie auch schon gehört, dass die Menschen der modernen Welt sich
mehr mit Medien als mit jeden anderen Tätigkeiten beschäftigen, oder
auch, dass die Kinder mehr Zeit vor dem Fernseher und dem Computer als
im Klassenzimmer verbringen.
Der
globale Marktplatz mit seinen Kommunikations- und Unterhaltungsindustrien
steuert die schnelle Entwicklung der regionalen, nationalen und globalen
Informationsinfrastrukturen. Die Strukturen unterstützen die Fähigkeit,
Informationen aus fernen Quellen zu benutzen und zu vernetzen. Diese
mächtigen Informationskanäle übertragen Daten, die uns helfen, dass
wir miteinander kommunizieren können und dass wir grenzenüberschreitend
(unabhängig von Ort und Zeit) lernen können. Dies hat zur Folge, dass
die Art wie Informationen erzeugt, vermittelt und ausgewertet werden
sich in der Gesellschaft und in der Geschäftswelt ständig verändert.
Sicherlich
gibt es viele wichtige Argumente, um die Medienerziehung zu fördern.
Aber schon allein der Wunsch nach einem Leben als freier Mensch in der
Informationsgesellschaft wäre genug, um Medienerziehung oder die Fähigkeit
Medientexte lesen und schreiben zu können ('media literacy'*) nicht
nur sinnvoll, sondern notwendig zu machen. Um junge Menschen als Bürger
und Arbeiter der Gesellschaft erfolgreich vorbereiten zu können, müssen
wir als Lehrer Erfahrungen in den Lehrplan integrieren, die neue Formen
des Ausdrucks und neue Informationstechnologien benutzen.
Die
traditionelle (und einfache) Definition der Literacy bezieht sich auf
die Fähigkeit des Lesens und Schreibens. Diese Definition meint aber
meistens nur die textliche (alphabetische) Literacy. In der heutigen
Zeit müssen wir den Begriff der Literacy erweitern: visuelle Literacy,
Medienliteracy, Informationsliteracy, technische Literacy, etc. .. .
Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts hat sich die Bandbreite der Informationstechnologien
erweitert. Sie schließt nicht nur Bücher und Fernsehen sondern auch
Computer, hochentwickelte Informationsnetzwerke und Satellitenübertragungen
ein. Globale Informationsnetzwerke werden entwickelt, die Informationen
überall und durch verschiedene Arten senden und empfangen können. Wir
verstehen unter der Multimedia Literacy die Entwicklung von Fähigkeiten,
die die Bedeutungen von solchen multimedialen Botschaften verstehen
und solche Botschaften auch selbst erzeugen können. Wir benutzen die
Multimedia Literacy als einen Überbegriff, der sowohl die traditionelle
Literacy und die Medienliteracy einschließt:
- Die
Fähigkeit, gewünschte Informationen aus dem riesigen Informationsangebot
der verschiedenen Medien auswählen zu können und mit diesen Informationen
selbst durch verschiedene Formen kommunizieren zu können.
- Ein
Verständnis zu entwickeln, wie die Medien Bedeutungen konstruieren
und die Fähigkeit wie man die Absichten der gedruckten und audiovisuellen
Botschaften mit ihren Auswirkungen verstehen kann.
Die
Medienliteracy wurde definiert als "eine Sache, die jungen Menschen
bei der Entwicklung ihrer Kenntnisse und kritischen Verständnisses der
Technologien und Auswirkungen der Technologien der Massenmedien helfen
möchte. Das heißt konkret, dass das Verständnis für die Funktionen und
Organisationen der Medien und die Konstruktionen der Wirklichkeit durch
die Medien gefördert wird. Dies schließt auch die Fähigkeit ein, Medienbotschaften
erzeugen zu können" (Erziehungsministerium, Ontario, 1989).
Mastermann
charakterisiert in seiner Publikation 'Die Medien unterrichten' (Teaching
the media, 1985) die Medienliteracy als das Verständnis der Schüler
wie die Medien funktionieren und welche Bedeutung die Botschaften der
Massenmedien für die Schüler erzeugen, wie die Produktionen der Medieninstitutionen
organisiert sind und die Wirklichkeit in den Massenmedien konstruiert
wird.
Unser
Vorschlag für die Multimedia Erziehung übernimmt die Grundziele der
allgemeinen Medienerziehung - der Entwicklung des kritischen Medienkonsums
- und schließt die Entwicklung der Fähigkeit wie Botschaften (Informationen)
von verschiedenen Quellen und Medien verarbeitet werden können mit ein
(Informationen finden, analysieren, auswerten, benutzen, herstellen,
etc.). Dabei ist uns besonders wichtig, wie Schüler selbst Medienbotschaften
herstellen. Die Medienerziehung hat sich in der Vergangenheit mehr mit
der Analyse und weniger mit der Produktion von Botschaften beschäftigt.
Hier stand vor allem das Ziel, wie das kritische Verständnis der Botschaften
der Massenmedien verbessert werden kann. Hier müssen wir aber bedenken,
dass die neuen Medien es jedem ermöglichen, eigene Botschaften herzustellen
und in dem Cyberspace senden zu können.
Die
Multimedia Erziehung sollte, durch den Gebrauch von modernen audiovisuellen
und Informationstechnologien Schülern die Möglichkeit geben, die notwendigen
Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen für die Herstellung von Botschaften
mit verschiedenen Medien herstellen zu können. Sie sollte die Autonomie
des Individuums und das kritische Bewusstsein fördern, das junge Menschen
brauchen, um eine bessere Gesellschaft für alle schaffen zu können.
Die
formale Erziehung spielt eine wichtige Rolle in der Multimedia Erziehung,
indem sie die neuen Medien in die Schulen durch drei verschiedene aber
zusammenhängende Arten integriert - wie die untenstehende Grafik zeigt:
- Als
Lernwerkzeuge
- Als
Unterrichtsthemen
- Als
ein Mittel für die formfreie Erziehung